Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

Viele Menschen halten sich gern in Shopping – Centern auf. In Skihallen, Tropenbädern oder auf Kreuzfahrtschiffen. Auf mich wirken solche künstliche Welten meist lähmend. Wo andere lachen und und sich scheinbar köstlich amüsieren, falle ich in ein Loch. Fühle mich unzufrieden und leer, stehe pappsatt vor dem kalten Buffet – und frage mich, was zum Teufel mit mir eigentlich nicht stimmt.
Lange Zeit dachte ich, mein Verhältnis zu Luxus sei irgendwie gestört. Dann entdeckte ich das großartige, scharfzüngige und urkomische Buch des amerikanische
Journalist und Autors David Forster Wallace   „A supposedly fun think I never do again“ – zu deutsch: „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“. Und siehe da: ich bin nicht allein.

Foster protokolliert seine einwöchige Reise an Bord des Luxuskreuzfahrtschiffes „Zenith“. Minutiös beobachtet er, wie es ihm ergeht. Wie ihn gigantische Obstkörbe, superflauschige Handtücher und ein Service, der keine Wünsche offen lässt, überwältigen, kurzzeitig glücklich und dann sehr, sehr unzufrieden machen. Wie ein Süchtiger erhöht er die Luxus -Dosis jeden Tag, wird dabei innerlich jedoch immer missmutiger.  Glücklicherweise liest sich das weder trüb noch belehrend. Wallace (1962 – 2008) verfügt über ein überbordendes Vokabular, einen großartigen Humor und einen schafen Blick für Asudirditäten, nicht zuletzt in der eigenen Innenwelt.

Sein Fazit ist: Zufriedenheit und Glück entstehen nicht durch den Konsum von Waren, Dienstleistungen oder vorgefertigten Erlebnissen. Sondern indem man selbst etwas erobert, als Entdecker Erfolge erlebt.

Manchmal, wenn ich an einem nasskalten Winterwochenende in Versuchung bin, meine Laune mit Sahnetorte, einem Schnäppchenkauf auf einer Luxusreise zu pimpen, denke ich an ihn. Manchmal spare ich mir die Ausgabe dann. ODer fühle mich zumindest nicht schlecht, wenn es dann mal wieder nicht funktioniert.

Lesetipp für alle, die nicht an die Freizeitindustrie glauben:

Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich.
Von David Forster Wallace.
Verschiedene Ausgaben, z.B vom Goldmann Verlag, 7, 99 Euro.

Übrigens: Das Buch ist nicht zu verwechseln von dem bierensten Ratgeber „Schläft das Personal auch an Bord?“, dessen ironischer Titel lediglich Tarnung ist.

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